Mit nur 36 Euro im Jahr unterstützen Sie uns als Fördermitglied Wachkoma - Filmpremiere am 27.11.2017 um 19:00 Uhr im Rex Filmtheater in Wuppertal
 Mit nur 36 Euro im Jahr unterstützen Sie uns als Fördermitglied Wachkoma - Filmpremiere am 27.11.2017 um 19:00 Uhr im Rex Filmtheater in Wuppertal

Rede von Herrn Dr. Hans Ulrich Benz

 

 

Die Anfänge von CERES

 

 

Kurzbericht anlässlich der Zwanzig-Jahrfeier am 24.062006 in der

Klinik Bad Sebastiansweiler

 

 

 

Das zwanzigjährige Jubiläum von CERES soll Anlass sein, sich in Erinnerung zu rufen, wie und warum es zur Gründung unseres Vereins, dem Verein für Cerebralgeschädigte in Tübingen kam.

 

Vielleicht erinnern sich noch einige der Anwesenden, dass es in Tübingen auf dem Denzenberg eine „Neurologische Klinik und Hirnverletztenkrankenhaus“ gab – eine Klinik mit wechselvoller Geschichte: Erbaut als Standort-Lazarett, dann Uni-Klinik, u.a. Gründungszelle der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Tübingen unter Prof. Creutz, französisches Lazarett Emil-Roux, Versorgungskrankenhaus:

und seit einigen Jahren beherbergt das repräsentative Gebäude Institute der Universität Tübingen.

 

In diesem „Versorgungskrankenhaus“ wurden über Jahrzehnte bis 1986 Schwersthirngeschädigte, Rückenmarksverletzte, Patienten mit peripheres Nervenschäden behandelt, wobei es sich bei dem Patientenklientel vorwiegend um Kriegsbeschädigte, aber auch um Patienten der Bundeswehr und von Krankenkassen handelte. Unter den Patienten waren auch Schwerstpflegefälle, die mit hohem pflegerischem und ärztlichem Aufwand versorgt und betreut wurden, aber auf Grund der Schwere des Krankheitsbildes nicht in Pflegeeinrichtungen verlegt werden konnten.

Ab Mitte der 70-er Jahre wurde das Notarztsystem und Rettungswesen ständig qualitativ und quantitativ ausgebaut. Ein Segen für die Bevölkerung! Aber die mit der Reanimation verbundenen negativen Entwicklungen sollten sich alsbald zeigen.

Die Zahl der „Wachkomapatienten“ bzw. von Patienten mit apallischem Syndrom stieg ständig an. Die Intensivstationen der Schwerpunktkrankenhäuser drohten „vollzulaufen“, da Verlegung dieser Patienten in qualifizierte Nachsorge-Einrichtungen praktisch nicht möglich war.

 

In Kontakt mit der Chir. Univ.-Klinik Tübingen (Prof. Kieninger) und anderen Kliniken erklärte sich das Versorgungskrankenhaus Tübingen bereit, einzelne derartiger Patienten aufzunehmen. Die Folge war der Ausbau einer „Intensiv-Pflegestation“ mit 10 Betten. Auch heute noch bin ich überzeugt, dass dort unter den gegebenen Bedingungen ordentliche Arbeit geleistet wurde.

 

Die Versorgung von Patienten mit apallischem Syndrom wurde jäh durch den Beschluss der Landesregierung beendet, die Klinik zum Ende des Jahres 1986 zu schließen. Und nun begannen die Schwierigkeiten!

 

Die Verlegung dieser hoch pflegebedürftigen Patienten in andere qualifizierte Einrichtungen bereitete unglaubliche Schwierigkeiten. Mit dem Leitenden Arzt des Landesversorgungsamtes suchten wir persönlich Klinik-Chefs auf und erhielten durchweg eine Ablehnung. Schließlich war es nur mit Unterstützung der Sozialministerin, Frau Schäfer, möglich, die letzten Patienten unterzubringen. Dabei äußerte einer der Klinikchefs, dass ihm „Patienten aufs Auge gedrückt“ würden und – in seinem Sinne konsequenterweise – hat er über Jahre hinweg einen Patienten bei Visiten nicht beachtet.

Die Erfahrungen, dass praktisch niemand sich für die fachgerechte Betreuung dieses Patientenklientels verantwortlich fühlte,

hat uns nachhaltig verdeutlicht, dass dieser

unbefriedigende Zustand nicht verantwortet werden kann und Privatinitiative gefordert ist – so schwierig diese Aufgabe war und bis heute geblieben ist. Zwar sind in den vergangenen 10 Jahren Verbesserungen eingetreten. Aber vieles ist unbefriedigend geblieben. Grundsätzlich wäre zu wünschen, dass die Versorgungskette von der Intensivversorgung über die Frührehabilitation bis hin zur Intensivpflege in einer Hand verwirklicht wird, um unnötige Zeitverzögerungen zu vermeiden,alle Möglichkeiten der Rehabilitation auszuschöpfen und den Angehörigen die Gewissheit zu vermitteln, dass „ihr“ Patient optimal versorgt wird,

zumal die jeweiligen Familien von dem Schicksalsschlag hart betroffen sind. Ich bin der Auffassung, dass wenn Intensivmedizin und Rettungswesen immer weiter ausgebaut werden,

wir uns bei der Langzeitversorgung von Wachkoma-Patienten nicht aus der Verantwortung stehlen können. Vielleicht sollte die Einrichtung eines unabhängigen Ombudsmanns erwogen werden. Bei zunehmender Zahl von Wachkoma-Patienten und enger werdenden finanziellen Spielräumen ist zu erwarten, dass sich die Betreuungs-Situation dieser Patienten eher verschlechtern wird.

 

Die Schließung des Versorgungskrankenhauses im Jahr 1986, die mangelhafte Versorgungssituation und die Hilflosigkeit des Angehörigen von Wachkoma-Patienten sowie die unzureichende Unterstützung durch die politisch Handelnden führte zwangsläufig zur Gründung einer Interessengemeinschaft mit dem Ziel, auf diese Mängel hinzuweisen und Abhilfe zu schaffen. Dieser Aufgabe fühlt sich CERES bis heute und in Zukunft verpflichtet.

 

Mein Dank gilt allen, die in den vergangenen 20 Jahren uneigennützig und ehrenamtlich mitgearbeitet haben und die für ihren Einsatz oft wenig Anerkennung

erfahren haben. Mein Dank gilt auch der Klinik Bad Sebastiansweiler, die sich für die Pflege von Wachkoma-Patienten geöffnet hat – und ich bin sicher – an dieser Aufgabe weiter wachsen wird.

 

Dr. Hans Ulrich Benz

Ehrenvorsitzender

von CERES-Tübingen       

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